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HR-Einkauf

HR-Einkauf ist nicht gleich HR-Einkauf. Wer Personalvermittlung und Führungskräfteentwicklung in denselben Topf wirft, verpasst den wichtigsten Hebel.

Kurzdefinition

HR-Einkauf bezeichnet den strukturierten Einkauf von Personaldienstleistungen – also aller externen Leistungen, die im Zusammenhang mit Personalgewinnung, -entwicklung, -bindung und -verwaltung stehen. Als Teilbereich des indirekten Einkaufs umfasst er ein breites Spektrum an Kategorien: von Zeitarbeit und Personalvermittlung über Gehaltsabrechnung und HR-Software bis hin zu Coaching, Training und Executive Development. Letztere bilden die Subkategorie Leadership Procurement – mit eigenen Qualitätskriterien, eigener Auswahllogik und eigenem Wirkungsanspruch.

Abgrenzung – Was HR-Einkauf NICHT ist

HR-Einkauf ist nicht:

  • HR-Arbeit. HR-Einkauf ist eine Beschaffungsfunktion, keine Personalfunktion. HR entscheidet über Bedarf und Inhalt. Einkauf steuert Beschaffungsprozess, Anbietermarkt und Konditionen.
  • Eine einheitliche Kategorie. HR-Einkauf besteht aus sehr unterschiedlichen Subkategorien mit verschiedenen Marktstrukturen, Qualitätskriterien und Einkaufslogiken. Zeitarbeit und Executive Coaching haben nichts gemeinsam – außer dem Buchstaben H.
  • Automatisch strategisch. In den meisten Unternehmen ist HR-Einkauf noch transaktional: Rahmenverträge für Zeitarbeit, gelegentliche Preisverhandlungen. Die strategische Dimension – Category Management, Wirkungsmessung, Marktentwicklung – fehlt fast überall.

Praxisbeispiel

Ein Industriekonzern mit 8.000 Mitarbeitenden hat einen professionellen HR-Einkauf für Zeitarbeit und Personalvermittlung: Rahmenverträge, Preferred Supplier, KPI-Tracking. Für Coaching und Führungskräftetraining gilt: HR beauftragt direkt, Einkauf ist nicht eingebunden, es gibt weder Rahmenverträge noch Bewertungsprozesse. Der Spend für Leadership & Development: 1,2 Mio. Euro jährlich – vollständig außerhalb jeder Einkaufssteuerung.

Das ist kein Einzelfall. Es ist die Norm. Und es ist der Ausgangspunkt für Leadership Procurement.


HR-Einkauf: Die Kategorie, die zwischen allen Stühlen sitzt

HR-Einkauf ist eine der am meisten unterschätzten Kategorien im indirekten Einkauf. Nicht weil der Spend gering wäre – sondern weil er auf zu viele Subkategorien verteilt ist, zu viele Stakeholder involviert und zu wenig mit klassischem Procurement-Handwerk in Berührung kommt.

In den meisten Unternehmen ist HR-Einkauf funktional gespalten: Zeitarbeit und Personalvermittlung liegen beim Einkauf. Weiterbildung, Coaching und Entwicklungsprogramme liegen bei HR. Das klingt nach sinnvoller Arbeitsteilung – ist aber in der Praxis der Grund für Millionenverluste.


Die Subkategorien im HR-Einkauf

Ein vollständiger HR-Einkauf umfasst mindestens sechs Subkategorien:

  1. Zeitarbeit & Arbeitnehmerüberlassung. Volumenstark, gut strukturiert, meist beim Einkauf.
  2. Personalvermittlung. & Executive Search. Hoher Einzelwert, meist direkt vom HR oder Geschäftsführung beauftragt.
  3. HR-Software & HR-Tech. IT-nah, oft beim IT-Einkauf angesiedelt, zunehmend strategisch.
  4. Gehaltsabrechnung & Payroll-Services. Transaktional, kostengetrieben, meist langfristige Verträge.
  5. Outplacement & Trennungsmanagement. Situativ, sensibel, selten strategisch eingekauft.
  6. Leadership & Development-Dienstleistungen. Coaching, Training, Assessment, Executive Development – höchster strategischer Wert, niedrigste Einkaufsreife. Das ist die Subkategorie, die am meisten Potenzial hat und am wenigsten professionell gesteuert wird.

Warum Leadership & Development eine eigene Logik braucht

Zeitarbeit lässt sich standardisieren. Stundensätze vergleichen. Rahmenverträge verhandeln. Die Qualität ist weitgehend messbar.

Coaching und Führungskräfteentwicklung funktionieren anders. Die Qualität eines Coaches zeigt sich nicht im Stundensätze-Vergleich. Die Wirkung eines Trainings lässt sich nicht im Katalog nachschlagen. Der ROI entsteht über Monate – wenn die richtigen Rahmenbedingungen stimmen.

Wer Leadership & Development mit derselben Einkaufslogik behandelt wie Zeitarbeit, kauft entweder zu teuer ein oder kauft das Falsche. Beides kostet.


Das strukturelle Problem: drei Silos, kein Überblick

In der Praxis entsteht beim HR-Einkauf fast immer dasselbe Muster:

  • HR kauft Leadership-Dienstleistungen direkt – nach Beziehung, nach Empfehlung, nach Budget.
  • Das Business bucht einzelne Coachings oder Trainings am HR vorbei – direkt aus dem Abteilungsbudget.
  • Der Einkauf sieht nur den Teil des Spends, der über offizielle Bestellprozesse läuft – oft weniger als 30%.

Drei Silos, kein Gesamtbild, kein Hebel. Das ist das strukturelle Problem des HR-Einkaufs – und der Ausgangspunkt für jeden Verbesserungsansatz.


Was professioneller HR-Einkauf leistet

Ein professioneller HR-Einkauf – der alle Subkategorien einschließlich Leadership & Development umfasst – leistet vier Dinge gleichzeitig:

  1. Spend-Transparenz. Vollständiger Überblick über alle HR-Ausgaben, über alle Abteilungen und Budgettöpfe.
  2. Konditionssicherheit. Marktgerechte Preise, Rahmenverträge, keine willkürlichen Einzelbeauftragungen.
  3. Qualitätssicherung. Definierte Auswahlprozesse, Bewertungskriterien, Anbietermanagement – auch für Kategorien, die bisher nach Gefühl eingekauft wurden.
  4. Wirkungsorientierung. KPIs, die über Kosten hinausgehen – und den Zusammenhang zwischen Investition und Unternehmenszielen sichtbar machen.

Das ist kein Ideal. Das ist der Standard, den andere Einkaufskategorien längst erreicht haben. Im HR-Einkauf – insbesondere bei Leadership & Development – fängt er gerade erst an.


Verwandte Begriffe

•      Leadership Procurement

•      Strategischer HR-Einkauf

•      Indirekter Einkauf

•      Maverick Buying HR

•      Category Strategy HR

•      Spend-Transparenz

 

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