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Maverick Buying HR

Maverick Buying im HR-Einkauf ist teuer, unsichtbar und weitverbreitet. Fast jedes Unternehmen hat es. Die wenigsten wissen, was es kostet.

Kurzdefinition

Maverick Buying bezeichnet im HR-Einkauf alle Beauftragungen von Leadership- und Development-Dienstleistungen, die außerhalb definierter Einkaufsprozesse, Preferred Supplier Listen oder Rahmenverträge stattfinden. Es entsteht, wenn Führungskräfte, Abteilungen oder HR direkt bei Anbietern buchen – ohne Einkaufsbeteiligung, ohne Preisvergleich, ohne Qualitätsprüfung. Maverick Buying ist der Normalzustand im L&D-Einkauf der meisten Unternehmen. Und er kostet mehr als die meisten ahnen.

Abgrenzung – Was Maverick Buying NICHT ist

Maverick Buying ist nicht:

  • Immer böse Absicht. Die meisten Führungskräfte, die am Einkauf vorbei buchen, tun das nicht aus Trotz – sondern weil es schneller geht, weil sie den Anbieter kennen oder weil niemand je etwas anderes von ihnen verlangt hat.
  • Nur ein Compliance-Problem. Maverick Buying ist primär ein Steuerungsproblem. Wer es als Regelverstoß behandelt, löst es nicht – wer die strukturellen Ursachen adressiert, schon.
  • Nur ein kleines Problem. In vielen Unternehmen liegt der Anteil des nicht gesteuerten L&D-Spends bei 60–80%. Das ist kein Randphänomen – das ist der Normalzustand.

Praxisbeispiel

Ein Technologieunternehmen mit 1.200 Mitarbeitenden hat einen offiziellen L&D-Budget von 600.000 Euro, der über HR läuft. Eine Spend-Analyse zeigt zusätzlich: 380.000 Euro wurden direkt von Abteilungsbudgets für externe Trainer, Coaches und Seminare ausgegeben – ohne HR-Wissen, ohne Einkaufsbeteiligung, ohne jede Qualitätskontrolle. Maverick Buying-Anteil: 39%. Drei Abteilungen haben denselben Anbieter gebucht – zu drei verschiedenen Preisen, mit Abweichungen von bis zu 40%.

Das ist kein Extremfall. Es ist der Durchschnitt.


Maverick Buying HR: Der teuerste Normalzustand im L&D-Einkauf

Maverick Buying ist der James Bond des Einkaufs: Er arbeitet allein, ignoriert Prozesse, löst Probleme auf eigene Faust – und hinterlässt eine Spur, die niemand überblickt. Im Kino ist das unterhaltsam. Im L&D-Einkauf kostet es Millionen.

In keiner anderen Einkaufskategorie ist der Anteil ungeregelter Beauftragungen so hoch wie bei Leadership- und Development-Dienstleistungen. Der Grund ist strukturell: Die Kategorie gilt als „weich“, die Anbieter werden über persönliche Netzwerke gefunden, und der Einkauf hat historisch nie Zugriff gehabt.


Was Maverick Buying wirklich kostet

Die Kosten von Maverick Buying sind höher als der offensichtliche Preisunterschied. Sie entstehen auf vier Ebenen:

  1. Konditionsverluste. Wer außerhalb von Rahmenverträgen bucht, zahlt Listenpreise. Typischer Aufschlag gegenüber verhandelten Konditionen: 20–40%. Bei einem L&D-Gesamtspend von 1 Mio. Euro und 50% Maverick-Anteil: 100.000–200.000 Euro jährlich.
  2. Qualitätsverluste. Wer ohne Qualifikationskriterien bucht, bekommt was verfügbar ist – nicht was passt. Schlechte Anbieter kosten nicht nur das Honorar, sondern auch die Zeit der Teilnehmenden und das Vertrauen in Leadership Development insgesamt.
  3. Steuerungsverluste. Maverick Buying macht den Spend unsichtbar. Was nicht sichtbar ist, kann nicht gesteuert werden. Was nicht gesteuert wird, wächst unkontrolliert.
  4. Lernverluste. Wer jeden Anbieter nur einmal nutzt, baut keine Beziehung auf, keine gemeinsame Sprache, keine Wirkungskontinuität. Langfristige Entwicklung braucht langfristige Partnerschaften.

Warum Maverick Buying im L&D so verbreitet ist

Drei strukturelle Ursachen erklären, warum Maverick Buying im L&D-Einkauf so hartnäckig ist:

  1. Fehlende Einkaufspräsenz. In den meisten Unternehmen hat Einkauf keinen definierten Zugang zur Kategorie Leadership & Development. Was nicht eingebunden wird, wird umgangen.
  2. Geschwindigkeit als Argument. „Wir brauchen das sofort“ ist die häufigste Begründung für Maverick Buying. Das Gegenmittel ist nicht Langsamkeit – sondern ein Preferred Supplier Modell, das schnelle Beauftragungen ermöglicht ohne auf Struktur zu verzichten.
  3. Beziehungslogik statt Beschaffungslogik. „Ich kenne einen guten Coach“ ist kein Einkaufsprozess. Es ist Vertrauensökonomie – und sie hat ihren Wert. Aber sie ersetzt keine Qualitätskriterien und keine Preisverhandlung.

Wie Maverick Buying reduziert wird

Maverick Buying verschwindet nicht durch Verbote. Es verschwindet durch bessere Alternativen:

  • Preferred Supplier Modell mit schnellen Bestellprozessen. Wenn die Nutzung der Preferred List einfacher ist als der direkte Anruf beim bekannten Anbieter, sinkt Maverick Buying.
  • Spend-Transparenz und regelmäßiges Reporting. Was sichtbar ist, wird gesteuert. Ein monatliches Spend-Reporting macht Maverick Buying für alle Beteiligten sichtbar.
  • Klare Governance mit Eskalationspfad. Wer außerhalb der Preferred List beauftragen will, braucht eine Begründung und eine Genehmigung – nicht als Strafe, sondern als Steuerungsinstrument.

Maverick Buying auf null zu reduzieren ist kein realistisches Ziel. Maverick Buying unter 20% zu bringen ist machbar – und bringt in den meisten Unternehmen mehr als jede andere Einzelmaßnahme im L&D-Einkauf.


Verwandte Begriffe

•      Preferred Supplier Modell HR

•      Spend-Transparenz

•      Governance Leadership Spend

•      Wildwuchs Anbieter HR

•      HR-Einkauf

•      Drei-Töpfe-Problem HR


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