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Perception Gap HR/Einkauf

HR sieht einen Score von 4. Einkauf gibt 2. Business sagt 1,5. Alle drei bewerten dieselbe Situation – und kommen zu völlig anderen Ergebnissen. Das ist der Perception Gap.

Kurzdefinition

Der Perception Gap bezeichnet die Differenz zwischen den Reifegrad-Einschätzungen verschiedener Stakeholder – HR, Einkauf und Business – beim Thema Leadership Procurement. Er entsteht, wenn dieselbe Frage („Wie professionell ist unser Einkauf von Führungskräfteentwicklung?“) von drei Perspektiven mit signifikant unterschiedlichen Antworten beantwortet wird. Der Perception Gap ist kein Messfehler – er ist ein diagnostischer Befund. Er zeigt, wo die eigentlichen Kommunikations-, Struktur- und Steuerungsdefizite liegen.

Abgrenzung – Was der Perception Gap NICHT ist

Der Perception Gap ist nicht:

  • Ein Messfehler. Wenn HR einen Score von 4 vergibt und Einkauf einen Score von 1,5, dann haben nicht beide unrecht. Beide beschreiben die Realität aus ihrer Perspektive – und genau das ist der Befund.
  • Ein persönlicher Konflikt. Der Perception Gap ist kein Zeichen für schlechte Zusammenarbeit oder gegenseitiges Misstrauen. Er ist ein strukturelles Phänomen, das in fast jedem Unternehmen auftritt.
  • Ein Urteil. Der Perception Gap ist der Ausgangspunkt für ein strukturiertes Gespräch. Er macht sichtbar, wo Klärungsbedarf besteht.

Praxisbeispiel

Dimension Governance & Structure, Pharmaunternehmen, 2.000 MA:

  • HR-Score: 3,8 – „Wir haben klare Zuständigkeiten und Prozesse.“
  • Einkauf-Score: 1,4 – „Wir werden gar nicht eingebunden. HR entscheidet alles selbst.“
  • Business-Score: 2,1 – „Ich weiß nicht, wer zuständig ist. Ich rufe an, wen ich kenne.“

Perception Gap: 2,4 Punkte.

Interpretation: HR glaubt, Governance zu haben. Einkauf erlebt keine Einbindung. Business navigiert im Unklaren. Das eigentliche Problem ist nicht die fehlende Governance – sondern dass niemand das gleiche Bild hat.


Der Perception Gap: Wenn drei Perspektiven dieselbe Frage anders beantworten

Es gibt eine Beobachtung, die sich in jedem Diagnose-Projekt wiederholt: HR, Einkauf und Business bewerten denselben Sachverhalt systematisch unterschiedlich. Nicht leicht unterschiedlich – sondern fundamental. Gaps von 2–3 Punkten auf einer 5-Punkte-Skala sind keine Ausnahme. Sie sind die Norm.

Das ist der Perception Gap – und er ist einer der aufschlussreichsten Befunde im Leadership Procurement Maturity Assessment. Nicht weil er zeigt, wie schlecht jemand arbeitet. Sondern weil er zeigt, wie unterschiedlich dieselbe Realität wahrgenommen wird.


Warum der Gap entsteht

Der Perception Gap ist kein Zufall. Er entsteht aus drei strukturellen Ursachen:

  1. Unterschiedliche Informationsstände. HR sieht die Programme, die es beauftragt. Einkauf sieht nur den Spend, der über offizielle Prozesse läuft. Business erlebt die Wirkung – oder deren Ausbleiben. Niemand hat das vollständige Bild.
  2. Unterschiedliche Maßstäbe. HR bewertet nach Prozesstreue („Wir haben einen Auswahlprozess“). Einkauf bewertet nach Einbindung („Wir werden nie gefragt“). Business bewertet nach Wirkung („Die Programme bringen nichts“). Drei Perspektiven, drei Maßstäbe.
  3. Fehlende gemeinsame Sprache. Ohne einen gemeinsamen Bewertungsrahmen reden HR, Einkauf und Business aneinander vorbei. Was HR als „strukturiert“ bezeichnet, heißt für Einkauf „ad hoc“. Was Business „effektiv“ nennt, heißt für HR „zu teuer“.

Typische Muster im Markt

Aus mehreren Diagnose-Projekten ergeben sich wiederkehrende Muster:

  • HR überschätzt systematisch. HR bewertet die eigene Arbeit häufig um 1–1,5 Punkte höher als Einkauf und Business. Der Grund: HR sieht den Aufwand, den es betreibt – aber nicht, ob der Aufwand die richtige Wirkung erzeugt.
  • Einkauf unterschätzt sich selbst. Einkauf gibt sich oft niedrige Scores, weil er seine eigene Nicht-Einbindung als Normalzustand akzeptiert hat. Dabei ist die Nicht-Einbindung selbst der Befund.
  • Business ist am ehrlichsten. Die Business-Perspektive liefert oft die realistischsten Einschätzungen – weil das Business die Wirkung erlebt, nicht die Prozesse dahinter.
  • Der größte Perception Gap tritt fast immer in der Dimension Governance & Structure auf. Das ist kein Zufall: Governance ist die Dimension, in der die Zuständigkeitsfrage am direktesten gestellt wird – und am seltensten klar beantwortet ist.

Was der Perception Gap auslöst

Der Perception Gap ist mehr als ein interessanter Befund. Er ist der stärkste Hebel im Synthese-Workshop:

  • Er erzeugt Gesprächsbedarf. Wenn HR einen Score von 3,8 sieht und Einkauf einen Score von 1,4 für dieselbe Dimension, ist sofortiger Klärungsbedarf entstanden – ohne dass jemand ihn künstlich erzeugen muss.
  • Er macht Strukturprobleme sichtbar. Der Perception Gap zeigt nicht, wer recht hat – sondern dass das gemeinsame Verständnis fehlt. Das ist der eigentliche Handlungsbedarf.
  • Er priorisiert die Roadmap. Dimensionen mit hohem Perception Gap brauchen zuerst Alignment – bevor Prozesse verändert werden können.

Der Perception Gap ist deshalb nicht das Problem. Er ist der ehrlichste Spiegel, den ein Unternehmen beim Thema Leadership Procurement haben kann.


Verwandte Begriffe

•      Leadership Procurement Maturity Assessment

•      Alignment Gap

•      Governance & Structure

•      Diagnose Leadership Procurement

•      Synthese-Workshop

•      Dimensionsscore


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